Der Mann für alle Rasenfälle
Bildlegende: FCL-Platzwart Walter Künzi sorgt seit 25 Jahren für Sauberkeit und Ordnung auf dem Fussballplatz «Rankmatte». (Bild: Walter Ryser)
Er ist von der «Rankmatte» nicht wegzudenken. Seit exakt 25 Jahren sorgt Walter Künzi für tadellos gepflegte Fussballplätze im Stadion des FC Langenthal. Dass seit einigen Jahren das Hauptspielfeld aus einem Kunstrasen besteht, hat ihn aber nicht arbeitslos gemacht, im Gegenteil wie er sagt: «Die Pflege eines Kunstrasens ist aufwändiger und zeitintensiver als ein Naturrasen.»
Vor ein paar Tagen ist er offiziell in den Ruhestand getreten, wurde er 65 Jahre alt und damit pensioniert. Doch Ruhe kehrt bei Walter Künzi vorerst keine ein. Täglich trifft man ihn auf dem Fussballplatz «Rankmatte» an, in diesen heissen Tagen oft schon um 06.00 Uhr am Morgen. Dann fährt er mit einer grossen Maschine über den Hauptplatz, befreit den Kunstrasen von Laub, Unrat, Dreck und allerlei störenden Materialien. «Es ist unglaublich, was sich da innert kürzester Zeit ansammelt», sagt der ehemalige Strassenmeister und verweist auf Zigarettenstummel, Kaugummis, Verpackungspapier und weitere Utensilien, die von Spielern und Zuschauern einfach weggeworfen werden. Dass er damit Mühe hat, sieht man ihm an. «Früher», erwähnt er, «da hat man nach dem Training mit den Junioren ab und zu noch <g’fötzelet>», erinnert er sich. Das sei schon lange kein Thema mehr, weshalb er sich manchmal wie in einer anderen Welt vorkomme. Ihm fehle Anstand und Respekt der heutigen Generationen gegenüber der Infrastruktur, dem Verein und den verantwortlichen Personen, erwähnt «Wale» kopfschüttelnd.
Auf allen Fussballplätzen zu Hause
Lieber begibt er sich deshalb wieder auf seine «Putzmaschine» und fährt über den Kunstrasen. Bis dieser wirklich sauber sei, müsse er zwei- oder dreimal mit der Maschine den ganzen Platz bearbeiten. Seit 25 Jahren tut er dies auf der «Rankmatte». Platzwart Walter Künzi ist damit längstens eine Institution beim FC Langenthal. Die Pflege des Kunstrasens sei aufwändiger und zeitintensiver als ein Naturrasen, erzählt er. Das habe er unterschätzt, gibt er unumwunden zu. Eigentlich sei das ein «Fulltime-Job», was er mache, denn mit der Rasenpflege ist es nicht getan. Ständig gebe es etwas zu reparieren, aufzuräumen oder instand zustellen. Deshalb gebe es für ihn auch keine Sommerpause, gibt er zu verstehen.
Doch Walter Künzi will sich nicht beklagen, im Gegenteil, er betont, dass ihm dieser Job Freude mache und er sich nach der Pensionierung die Zeit frei einteilen könne. Dass er seine Aufgabe bereits seit 25 Jahren versieht, habe schlicht und einfach damit zu tun, dass er über ein gelb-blaues Herz verfüge, sagt er lachend. Deshalb war er auch viele Jahre als Junioren-Trainer beim FCL tätig und war er auch 12 Jahre lang im Vorstand aktiv. Wenn es die Gesundheit zulasse, möchte er noch eine Weile das Amt als Platzwart beim FCL ausüben. Ja, und auch beim FC Bützberg, beim FC Aarwangen und beim FC Roggwil, wo er ebenfalls für die Rasenpflege zuständig ist. Der Mann ist auf den Fussballplätzen zu Hause. Doch Walter Künzi winkt ab und sagt, dass er immer darauf achte, dass er auch in die Ferien verreisen könne. Dann zeiht es ihn mit seiner Frau Rita jeweils für ein paar Tage in den hohen Norden.
Flitterwochen für FCL abgebrochen
Manchmal nicht für lange, wie in jenem Jahr, als der FC Langenthal im Schweizer Cup mit dem FC Luzern ein Traumlos zog. Da befand sich Walter Künzi mit seiner Rita gerade in den Flitterwochen. Als er erfuhr, dass der kleine FCL auf den grossen FCL trifft, habe er die Flitterwochen abgebrochen, sei er sofort nach Langenthal zurückgekehrt, und habe schnurstracks die Vorbereitung für dieses Cup-Highlight in Angriff genommen, erinnert sich der Vater zweier erwachsener Söhne mit einem Schmunzeln. Es sind viele schöne Erinnerungen, die in den letzten 25 Jahren hängen geblieben sind, nicht nur an gewisse Partien oder Ereignisse, sondern auch an Spieler und Trainer. «Er war zwar nur sechs Wochen lang bei uns, aber an Trainer Andy Egli erinnere ich mich sehr gerne, er hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, weil er ein unglaublich aufgestellter und stets freundlicher Mensch war», erzählt er.
Dass er hin und wieder von Trainern oder Spielern für seine Arbeit gelobt werde oder ein Dankeschön erhalte, freue ihn jeweils ganz besonders. Grosse Freude habe er in all den Jahren stets am FCL-Nachwuchs gehabt, sagt Walter Künzi, der mit seiner Partnerin in Aarwangen wohnt. Mit den Junioren verbinden ihn viele schöne Erlebnisse. Noch heute ist er oft bei Juniorenspielen anwesend und er schwärmt regelrecht von den Spielen des FCL-Nachwuchses. «Hier wird zum Teil richtig guter Fussball gespielt. Da ziehe ich den Hut vor der Arbeit der Trainer», erwähnt er mit Bewunderung in der Stimme. Der Breitensport sei enorm wichtig, für den Verein, die Jugend und die Gesellschaft hebt er hervor. «Wenn ich unter der Woche Kinder auf der Rankmatte antreffe, die Fussball spielen, dann weise ich die niemals weg, weil ich der Meinung bin, dass es für diese Kids viel besser ist, wenn sie sich hier aufhalten und spielen, als irgendwo in der Stadt herumzulungern.»
Aber was um Himmels willen macht Walter Künzi eigentlich im Winter? Der FCL-Platzwart lacht und sagt: «Dann bin ich in der Eishalle in Schoren anzutreffen, bei den Spielen des SC Langenthal, denn ich bin einfach von Kopf bis Fuss komplett gelb-blau gestrickt.»